Südkoreas LCK: Profis meiden Steuern über eigene Firmen
In der südkoreanischen League of Legends-Liga LCK sollen mehrere Spitzenverdiener ihr Gehalt nicht persönlich, sondern über eigene Firmen bezogen haben. Steuerbehörden prüfen, der Liga-Verband sieht begrenzte Handhabe, und die Branche bereitet sich auf einen Transfermarkt mit höheren Kosten vor.
Quelle: GameLook
Was in Südkorea passiert
In der südkoreanischen Profiszene der Liga League of Legends(英雄联盟)zeichnet sich ein Steuerstreit ab. Wie das koreanische Fachmedium Inven am 15. Oktober berichtete, bezieht ein erheblicher Teil der Spitzenverdiener in der LCK sein Gehalt nicht persönlich, sondern über eigens gegründete Kapitalgesellschaften. Betroffen sein sollen vor allem Spieler aus dem Westen der Liga mit Jahresgehältern zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Won, umgerechnet rund 250.000 bis 500.000 Yuan.
Das Muster: Der Klub zahlt die Vergütung an die Firma des Spielers, die Firma stellt eine Steuerrechnung aus. Mindestens drei solcher Fälle sind bekannt, ein Brancheninsider sagte laut Inven, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Die südkoreanische Steuerbehörde NTS prüft die Konstruktion, bislang wurde jedoch kein Spieler offiziell veranlagt oder bestraft.
Warum das wichtig ist
Der Reiz liegt im Steuersatz. Bei 500 Millionen Won Jahresgehalt fallen als persönliches Arbeitseinkommen nach Abzug rund 183 Millionen Won Steuern an, etwa 36 Prozent. Bleibt das Geld als Betriebsgewinn in der Firma, sind es nach koreanischem Recht nur rund 88 Millionen Won. Die Differenz beträgt fast 100 Millionen Won.
Steuerfachleute verweisen darauf, dass der eigentliche Vorteil nicht der Satz, sondern die Kostenverrechnung und die Verschiebung des Besteuerungszeitpunkts ist. Entscheidend ist laut koreanischem Steuergrundlagengesetz, wem das Einkommen tatsächlich zuzurechnen ist. Da die Spieler feste Verträge haben, im Wohnheim leben und Anweisungen von Trainern befolgen, dürfte die Vergütung als Arbeitseinkommen gelten.
Die LCK-Regeln sehen bei Straftaten bis zu 100 Millionen Won Strafe, lebenslange Sperre und eine Rückverfolgung von 72 Monaten vor. Im Mai schränkte die Ligazentrale die Regel jedoch ein: Sie gilt nur bei strafrechtlicher Verantwortung. Eine bloße Steuernachzahlung ist demnach kaum ein Disziplinarfall. Sichtbar wird die Unsicherheit dennoch: Mehrere Klubs und Agenturen lassen Verträge prüfen, einige Spieler haben die Abwicklung ihrer Firmen bereits eingeleitet.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Der Fall dürfte den Transfermarkt nach der Weltmeisterschaft verändern. Wechseln Spieler zurück zur persönlichen Auszahlung, sinkt bei gleichem Vertragswert ihr Nettoverdienst. In Verhandlungen könnten sie daher eine Kompensation verlangen, was Klubs teurer macht und über die Gehaltsobergrenze auch die Luxussteuer erhöht.
Offen bleibt, ob die NTS die Struktur als Steuervermeidung oder als Steuerhinterziehung einstuft und ob zwei derzeit geprüfte Spieler damit zusammenhängen. Die Quelle nennt dazu keine Details. Klar ist: Nicht die Firmengründung selbst ist illegal, sondern die Frage, ob die Firma echte Leistungen erbringt. Solange das nicht geklärt ist, handeln die Beteiligten auf eigenes Risiko.