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China · Independent Analysis

Chinas Wachstumswechsel: Konjunkturpakete, Exporte und der Schuldenberg

Peking verlagert den Fokus von Immobilien hin zu Hightech-Fertigung. Können Exporte und Konjunkturpakete den strukturell schwächeren Konsum ausgleichen?

Chinas Wachstumsmodell verändert sich in Echtzeit. Zwei Jahrzehnte lang wurde die Wirtschaft von einem Immobilien- und Infrastrukturmotor angetrieben, der Kapital in außergewöhnlichem Tempo absorbierte. Dieser Motor ist nun ins Stocken geraten, und Peking versucht eine bewusste Neuausrichtung hin zu Hightech-Fertigung, Technologie und Exporten. Die Frage ist, ob der neue Motor genug Nachfrage erzeugen kann, um den alten zu ersetzen.

Das Ende des Immobilienmotors

Der Immobiliensektor, einst fast ein Drittel des BIP, durchläuft eine schmerzhafte Entschuldung. Die Bilanzen der Entwickler bleiben angespannt, die Baubeginne sind stark zurückgegangen, und das Vertrauen der Haushalte wurde durch den Rückgang der Hauspreise getroffen – die größte Anlageklasse chinesischer Familien. Der Vermögenseffekt, der einst den Konsum stützte, hat sich umgekehrt. Dies ist der Hauptgrund, warum die Konsumausgaben trotz wiederholter Konjunkturpakete enttäuschen. Haushalte sparen mehr und geben weniger aus.

Die Export- und Fertigungsoffensive

Als Reaktion setzt Peking verstärkt auf die Angebotsseite. Investitionen fließen in Elektrofahrzeuge, Batterien, Solarenergie und Halbleiter – Sektoren, in denen China bereits globale Größe erreicht hat. Die Exporte dieser Güter sind stark gestiegen, und China verzeichnet nun einen großen und wachsenden Handelsüberschuss bei Hightech-Produkten. Das Problem ist, dass diese Strategie mehr als nur Waren exportiert: Sie exportiert Deflation. Überkapazitäten drücken die globalen Preise und provozieren Zollvergeltung durch die USA und Europa. Je erfolgreicher Chinas Fertigungsoffensive ist, desto mehr Handelskonflikte erzeugt sie.

Der Schuldenberg

Alles wird von Schulden untermauert. Die gesamte soziale Finanzierung im Verhältnis zum BIP liegt auf Rekordniveau. Der Übergang weg von Immobilien bedeutet, dass die Wirtschaft Wachstum erzeugen muss, ohne sich auf die Kreditkanäle zu stützen, die sie einst antrieben – eine historisch schwierige Aufgabe. Unsere Einschätzung ist, dass Chinas Wachstum strukturell niedriger ausfallen wird, in einer Spanne von 4-5 %, wobei konjunkturelle Maßnahmen scharfe Abschwünge verhindern, aber nicht die alte Entwicklung wiederherstellen. Für globale Investoren sind die wichtigsten Übertragungskanäle die Nachfrage nach Rohstoffen, die Kosten für Fertigungsinputs und der deflationäre Druck, den chinesische Exporte weiterhin auf die Weltmärkte ausüben.