Globale Inflation: Die letzte Meile ist die schwerste
Die Gesamtinflation ist gesunken, aber die Dienstleistungspreise bleiben hartnäckig. Warum der Endspurt zu den 2%-Zielen länger dauern könnte als erwartet.
Der globale Inflationsschock klingt ab, ist aber nicht vorbei. In den USA, der Eurozone und Großbritannien ist die Gesamtinflation deutlich von ihren Höchstständen 2022-2023 gefallen, vor allem dank normalisierter Energiepreise und reparierter Lieferketten. Der einfache Teil ist also geschafft.
Warendeflation vs. hartnäckige Dienstleistungen
Die Divergenz zwischen Waren und Dienstleistungen prägt diese Phase. Warenpreise haben stark nachgegeben – teils sogar deflationiert – wegen Überbeständen und günstiger asiatischer Produktion. Dienstleistungen bleiben dagegen teuer: Wohnen, Versicherung, Gesundheit und Gastgewerbe steigen weiter deutlich über dem Zielniveau.
Der Grund ist strukturell: Dienstleistungen sind arbeitsintensiv, und die Arbeitsmärkte bleiben historisch eng. Das Lohnwachstum hat sich abgekühlt, liegt aber noch über dem mit 2% Inflation vereinbaren Tempo. Bis sich das normalisiert, bildet die Dienstleistungsinflation eine Untergrenze für die Gesamtrate.
Das Problem der letzten Meile
Ökonomen wissen seit langem: Der letzte Abschnitt der Disinflation ist der schwerste. Der Weg von 3% auf 2% ist langsam und holprig, weil er inländische Inflation – in Löhnen und Preissetzung verankert – herausquetschen muss, statt nur von fallenden Rohstoffpreisen zu profitieren.
Deshalb zögern die Zentralbanken, den Sieg zu erklären. Wahrscheinlicher ist eine lange Warteschleife: Die Zinsen bleiben länger restriktiv als der Markt erwartet, und die Rückkehr zum Ziel zieht sich bis 2027 hin.
Anlageimplikationen
"Higher for longer" ist nicht voll eingepreist. Reale Renditen könnten erhöht bleiben, was langlaufende Anlagen belastet und bei wachstumssensiblen Aktien zur Vorsicht mahnt. Inflationsindexierte Anleihen und angebotsbeschränkte Rohstoffe bleiben die direktesten Absicherungen. Die Lehre der letzten drei Jahre: Einmal verankert, ergibt sich Inflation nicht kampflos.